Der Fluss Larpe
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Łarpia – Blick auf die Fischerstraße (Zustand im Jahr 1912), gegenwärtig ul. Dolna

Dieser Fluss in der Gemeinde Police bildet einen westlichen Nebenarm der Oder (Domiąża). Von der Domiąża zweigen wiederum eine Reihe von Wasserläufen ab, nämlich vom Hauptbett aus gesehen die Wietlina, der Skolwiński-Kanal und die Cieśnica. An der Łarpia liegen die Ortschaften Police und Mścięcino. Der Fluss beschreibt einen sanften Bogen und verbindet im Westen die Cieśnica (an der Nordspitze der Insel Skolwiński Ostrów) mit dem Policki Nurt (in Höhe der südlichen Spitze der Insel Długi Ostrów) und dem Fluss Jasienica im Norden. Er trennt die ausgedehnte Insel Polickie Łąki, die zwischen seinem Bett und der Domiąża liegt, vom Festland. Der Fluss ist ungefähr 5750 m lang und seine Breite beträgt 15 - 100 m.

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Die Larpe – im Jahr 1900 (Südteil)
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Die Larpe – im Jahr 1900 (Nordteil)
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Die Larpe – im Jahr 1910 (Südteil)

Die deutsche Bezeichnung bildet eine phonetische Ableitung unklarer Herkunft (vom altpolnischen Wort „larwa“ oder niedersorbischen „larbe“). In Dokumenten aus dem Jahr 1294 ist der Name aquam Politznam vermerkt. Die Flussufer werden von Schilfrohr, Simsen und verschiedenen wild wachsenden Weiden, Erlen, Schwarzem Holunder u.ä. geprägt.

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Die Larpe – im Jahr 1900 (Südteil)
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Die Larpe – im Jahr 1900
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Die Larpe – im Jahr 1910

In unmittelbarer Nachbarschaft des westlichen Ufers des Flusses Łarpia befinden sich die Straßen ul. Dębowa, ul. Wojska Polskiego und ul. Dolna. Im Bereich der ul. Dębowa, auf dem sog. Burgberg, hat bereits im 19. Jh. der Poet und Archäologe Ludwig Giesebrecht als einer der ersten mit Ausgrabungsarbeiten begonnen, die später nach dem Zweiten Weltkrieg von Ryszard Piskulak fortgeführt worden sind. Während dieser Arbeiten wurde am Heckelwerksbach, einem Zulauf der Łarpia, ein hufeisenförmiger Wehrwall entdeckt. Später wurden Überreste von Werkzeugen und Waffen aus der Steinzeit und dem frühen Mittelalter geborgen.

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Mittelalterliche Rüstung, Umgebung von Messenthin
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Haushaltsgeschirr gefunden im Larpeboden
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Hier befand sich wahrscheinlich ein Friedhof für Feuerbestattungen. Fragmente einer Wehrmauer haben wegen ihrer Konstruktionsweise gezeigt, dass es sich um die Mauer eines Gotteshauses, also einer Kultstätte, handelte. Auf benachbarten Flächen wurden Urnen entdeckt. Insgesamt wurden hier 9910 Exponate gesammelt.

Die Verlegung der mittelalterlichen Siedlung von Mścięcino in die Gegend des heutigen Marktplatzes von Police hat dafür gesorgt, dass das Interesse an diesem Gebiet verloren ging. Eine erneute Ansiedlung von Menschen an der Łarpia erwähnen Quellen aus dem Jahr 1338, als das Dorf Mścięcino ins Eigentum Henning von Steinbecks übergeht. Auf den fruchtbaren Poldern im Einzugsgebiet der Łarpia wurden ertragsstarke Felder geschaffen. Dort entstanden auf beiden Seiten der am Fluss entlangführenden Straße die ersten gemauerten Häuser in Mścięcino sowie Warenlagerplätze.

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Lagerplatz
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Die Schleuse auf der Insel Pölitzer Wiesen (Jahr 1925)

Als man im 16. Jh. begann, Straßen und Wege zu benennen, erhielt die Straße an der Łarpia den Namen Dorfstraße. Später wurde sie in „An der Larpe“ umbenannt. Als im 18. Jh. die beiden Ausflugsschiffe „Delfin” und „Salamandra” auf Łarpia und Oder zu verkehren begannen und hier eine Anlegestelle eröffnet wurde, wurden die am Flussufer verlaufenden Straßen aufgewertet und gepflastert. Die Straße „An der Larpe” verband damals die Anlegestelle an der Łarpia mit der Kirche in Mścięcino und später auch mit dem dortigen Bahnhof. Bis heute sind am Fluss viele Baudenkmäler (aus einem etwas späteren Zeitraum) wie das Ziegelhaus (ul. Dębowa 5) mit einem Fachwerk-Wirtschaftsgebäude aus dem späten 19. oder frühen 20. Jh. sowie die Wirtschaftsgebäude (Nr. 7), die aus einem eingeschossigen Haus und einer Scheune in Riegelbauweise aus dem 19./20. Jh. bestehen, erhalten geblieben. Architektonisch interessant sind auch die Gebäude Nr. 8, 12, 14 und 16, die alle aus roten Ziegeln errichtet worden sind und auch aus demselben Zeitraum stammen.

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Die Larpe – im Jahr 1930
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Die Fischer na der Larpe – 1903
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Die Rohrleitung über die Larpe verbindet die Benzinfabrik „Hydrierwerke” mit Tankstelle für Schiffe

Die Straße „An der Larpe” schloss früher auf der Südseite eine in Riegelbauweise errichtete Kirche ab, die von Stieleichen umgeben war. Außerdem gab es ein den Einwohnern von Mścięcino, die im Ersten Weltkrieg gefallen waren, gewidmetes Denkmal.

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Die Fachwerkkirche
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Die Straße An der Larpe Anfang des XIX Jh.

Am anderen Ende der Straße, auf dem Burgberg, errichtete 1785 Franz von Holzer eine Windmühle, die 1920 durch einen Brand zerstört wurde. Ebenfalls in dieser Zeit wurde in unmittelbarer Nachbarschaft der Łarpia, am nördlichen Abschnitt der Straße, in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts die erste Kläranlage gebaut, die nach einem Umbau bis heute besteht (sie nimmt die städtischen Abwässer auf und befördert sie über eine Druckrohrleitung zur Kläranlage der Zakłady Chemiczne „Police” S.A.).

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Der Kai von der Fischerstr. (heute Dolna Str.)
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Das Passagierschiff an der Anlegestelle

Als 1938 und 1939 mit dem Bau der Synthesebenzin herstellenden „Hydrierwerke“ begonnen wurde, wurden zum Schutz dieser Fabrik am Ufer der Łarpia Flakscheinwerfer aufgestellt und im Haus Nr. 9 die diese Anlagen bedienende Mannschaft untergebracht. Die Scheinwerfer wurden gegen Ende des Krieges zerstört und die einrückenden sowjetischen Truppen haben ihre Reste verschrottet. Mit einem Panzer wurden die Stromkabel aus der Erde gerissen und bei dieser Gelegenheit das Straßenpflaster aufgerissen und fortgeschafft.

Nach der Auflösung der „Enklave Police" siedelten sich hier im Winter 1946/47 die ersten polnischen Familien an. Niemand assoziierte damals „Larpe“ mit einem polnischen Namen. Schnell wurde die Straße „An der Larpe“ wegen der hier wachsenden Eichen in ul. Dębowa (Eichenstraße) umbenannt und die russische Bezeichnung für den Fluss Łarpa übernommen. In dieser Zeit befasste man sich hauptsächlich mit Ackerbau und dem Austrieb von Rindern auf der Insel „Polickie Łąki”. Einige Veränderungen brachte das Jahr 1958, also eine von einer Pioniereinheit unter Oberst Bełza neu errichtete Brücke über der Łarpia von der damaligen Verwaltungsspitze des Landkreises eröffnet wurde. Damals wurde der Straßenbelag ausgebessert, einige wild wachsende Bäume am Flussufer wurden entfernt, aber niemand achtete seinerzeit auf die Wasserqualität.

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Die Truppe von Oberst Belza auf der neue Brücke
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Die Wohngebäude in der DebowaStr.5 (XIX/XX Jh.)

Was im Flussbett fließt, kann man nur schwerlich als Wasser bezeichnen. Eine sofortige Klärung ist erforderlich. Die Abflussbedingungen sowie die Wasserstandschwankungen der Łarpia hängen von den in der Oder und im Stettiner Haff herrschenden Verhältnissen ab. Um diese Bedingungen zu verbessern, wurde in den späten achtziger und frühen neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts der Versuch unternommen, die Verbindung der Łarpia mit der Wietlina über die Cieśnica zu verbreitern, indem ein Einschnitt durch den nördlichen Teil des Skolwiński-Werders vorgenommen wurde. Angesichts des fehlenden Gefälles des Flussgrundes und der sehr starken Verschlammung brachte diese Maßnahme jedoch nicht den gewünschten Erfolg. Dennoch beobachtet man zeitweise bei stärken Strömungen eine Fließgeschwindigkeit von ca. 0,1 m/s und der Wasserdurchlauf wird auf 5,0 m/s geschätzt.

Das Wasser der Łarpia wurde bisher praktisch überhaupt nicht systematisch untersucht. Im Herbst und Winter ähnelt die Wasserqualität der Łarpia aufgrund des Austauschs der des Wassers in der Oder. Im Sommer verhält sich der Fluss jedoch bei hohen Temperaturen und anderen ungünstigen klimatischen Umständen wie ein abflussloses Gewässer, in das viele Jahre lang erhebliche Mengen nicht ausreichend gereinigter Abwässer eingeleitet worden sind und in dem infolge von Ablagerungen auf dem Grund eine zusätzliche Quelle für Wasserverunreinigungen vorhanden ist. Im Jahr 1996 wurde eine eintägige Untersuchungsreihe an drei Stellen durchgeführt, um die Bedingungen für die Ableitung von Niederschlagswasser zu ermitteln. Die im Folgenden dargestellten Ergebnisse entsprechen denen mechanisch gereinigten Kommunalabwassers.

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Verschmutzungswerte

Die Reinigung des Flussbetts der Łarpia ist eine Aufgabe. Eine weitere ist die Erstellung einer umsetzbaren Dokumentation für eine weit verstandene Rekultivierung des Flusses, deren Realisierung die Möglichkeit bieten würde, die wichtigsten Quellen für die Verschmutzung und Degradierung des Wasserlaufs zu beseitigen, nämlich die Einleitung von Abwasser aus der kommunalen Kläranlage an der ul. Dębowa und illegal eingeleitete Abwässer von der ul. Wojska Polskiego und ul. Dolna. Ziel der Rekultivierung ist es, den Fluss und die anliegenden Flächen als Bereich für Naherholung, Sport und Tourismus in Verbindung mit dem sonstigen hydrographischen Netz attraktiv zu machen.

Wiesław Gaweł

Literatur:
Dzieje Szczecina tom I – G. Labuda
Rys historyczny Polic – W. Gaweł
Ulica Dębowa, w: Gazeta Policka nr 2 /1995/
Charakterystyka hydrograficzna rzeki Łarpi
Gospodarcze znaczenie rzeki Łarpi i terenów nadbrzeżnych
Police i okolice na starej fotografii – B.Frankiewicz, A.Łazowski
Fotos – eigenes Archiv

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